Körpervorgänge

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Wenn man die Körpervorgänge bei Gicht versteht, dann versteht man auch, wie die Krankheit entsteht und wie sie sich entwickelt. Dadurch kann man auch leichter einsehen, warum man sich purinarm ernähren sollte. Auch andere Maßnahmen zur Gichtbehandlung werden einleuchtender.

Für das Verständnis der Gicht müssen wir ziemlich weit ausholen und tief in die Biologie der Lebewesen eintauchen.

Von den Zellkernen zur Harnsäure

Viele Lebewesen setzen sich aus Abermillionen von mikroskopisch kleinen Zellen zusammen. Diese Zellen enthalten Zellkerne, die die Erbsubstanz DNA enthalten. Die Erbsubstanz setzt sich unter anderem aus chemischen Verbindungen namens Purine zusammen.

Diese Purine spielen eine der Hauptrollen bei der Gicht. Solange die Purine als Bestandteil der Erbsubstanz beschäftigt sind, haben sie noch nichts mit Gicht zu tun.

Aber wenn man beispielsweise Nahrung isst, die viele Zellen und Zellkerne enthält, beispielsweise Innereien, dann werden die Zellkerne bei der Verdauung geknackt. Die Purine werden frei und gelangen ins Blut. Auch wenn körpereigene Zellen abgebaut werden, beispielsweise bei strengen Diäten, werden Zellkerne geknackt und Purine gelangen ins Blut.

Das Ergebnis ist also das gleiche, egal, ob man die Purine isst oder sie durch Zellabbau im eigenen Körper entstehen.

Im Körper werden die Purine chemisch umgebaut. Über Zwischenstufen werden sie in Harnsäure verwandelt.

Über die Nieren und den Harn und teilweise auch über den Darm wird überschüssige Harnsäure ausgeschieden.

In der folgenden Übersicht kann man diesen Ablauf sehen.

 

Zellkerne aus der Nahrung

Ca. 300 mg/Tag

Zellkerne aus dem Abbau körpereigener Zellen

Ca. 350 mg/Tag

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Purin

 

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Hypoxanthin

 

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Xanthin

 

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Harnsäure

 

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Ausscheidung über den Darm.

Ca. 20%

Ausscheidung über die Niere (Harn).

Ca. 80%

 

Was ist Harnsäure?

Harnsäure ist eine saure Substanz, die aus den Purinen gebildet wird, wie man im obigen Diagramm sehen kann.

Normalerweise wird Harnsäure vorwiegend mit dem Harn ausgeschiedenen. Daher kommt auch der Namensteil "Harn" der Harnsäure.

Eine gewisse Menge Harnsäure ist immer im Blut vorhanden. Sie ist also völlig normal und schadet nicht.

Nur wenn zu viel Harnsäure im Blut ist, kommt es zu Problemen.

Normale Harnsäurewerte im Blut

Die Menge der Harnsäure im Blut wird in ml/dl angegeben.

Nachfolgend eine Tabelle mit Normalwerten der Harnsäure im Blut:

 

Harnsäure-Normalwerte

Frauen

2,5 bis 5,9 mg/dl

Männer

3,5 bis 7,0 mg/dl

Kinder

1,9 bis 5,9 mg/dl

 

Bis zu 6,5 mg/dl Harnsäure können im Blut gut fließen, ohne dass es zu Störungen kommt. Erst ab 6,5 mg/dl entstehen die schädigenden Harnsäure-Kristalle.

Normale Ausscheidung der Harnsäure

Beim gesunden Menschen werden 450 bis 800 mg Harnsäure pro Tag mit dem Urin ausgeschieden. Etwa ein Viertel dieser Menge wird zusätzlich mit dem Kot über den Darm ausgeschieden.

Die Niere gesunder Menschen baut die Harnsäure in den Harn ein, zusammen mit anderen Abfallprodukten des Stoffwechsels.

Gicht entsteht, wenn mehr Harnsäure im Körper hinzukommt, als die Niere ausscheiden kann.

Dann sammelt sich nach und nach immer mehr Harnsäure an, bis es zu schmerzhaften Ablagerungen kommt.

Zu viel Harnsäure im Blut

Wenn zu viel Harnsäure im Blut vorhanden ist, kann dies zu verschiedenen Schäden führen.

Zu viel Harnsäure kann sich dadurch im Blut befinden, dass der Körper die Harnsäure nicht gut genug ausscheiden kann. Das ist beispielweise bei der erblichen Veranlagung zur Gicht der Fall. Auch zu viel Alkohol, manche Medikamente und eine schwache Niere verhindern die ausreichende Ausscheidung der Harnsäure.

Auf der anderen Seite kann zu viel Harnsäure in den Körper gelangen. Dies ist beispielsweise bei purinreicher Ernährung (z.B. Innereien) der Fall. Auch strenge Diäten oder eine Chemotherapie-Behandlung können die Harnsäure-Menge im Körper ansteigen lassen.

Häufig kommen Gründe der beiden Gruppen zusammen, bis schließlich die Gicht entsteht. Das heißt, wenn jemand mit der entsprechenden Veranlagung sich außerdem purinreich ernährt, dann kommt es zur Gicht.

Ein Mensch ohne Veranlagung kann hingegen problemlos eine gewisse Menge purinreiche Nahrung zu sich nehmen, ohne Gicht zu bekommen. Und ein Mensch mit Gicht-Veranlagung bleibt beschwerdefrei, wenn er kaum purinreiche Nahrung isst.

Im Extremfall reicht jedoch auch ein einzelner Faktor, um die Gicht zum Ausbrechen zu bringen.

Harnsäure schädigt Gelenke und Nieren

Die überschüssige Harnsäure bleibt nicht einfach im Blut, sondern lagert sich an verschiedenen Stellen des Körpers ab.

Besonders reichlich lagert sich die Harnsäure in den Gelenken ab. Dort bildet sie scharfkantige Kristalle.

Diese Kristalle reizen die Gelenke und schmerzen bei Bewegung. In der Folge kommt es zu Entzündungen. Langfristig werden die Gelenke durch die Entzündungen und die scharfen Kristalle zerstört. Man erkennt das äußerlich daran, dass sie dick und knotig werden.

Auch die Nieren sind ein beliebter Ort zur Ablagerung der Harnsäure-Kristalle. Das Blut mit der überschüssigen Harnsäure fließt regelmäßig durch die Nieren. Wenn die Nieren es nicht schaffen, ausreichend Harnsäure in den Harn zu überführen, dann verbleibt ein Teil der restlichen Harnsäure in den feinen Kanälen der Niere.

Dort wirkt sie sich ähnlich aus wie in den Gelenken. Sie reizt die Niere und führt zu entzündlichen Prozessen und Zerstörungen. Nach und nach geht die Niere dadurch kaputt.

Bei weiter fortschreitender Gicht lagern sich Harnsäurekristalle auch noch in anderen Bereichen des Körpers ab. Typisch sind beispielsweise die Ohrmuscheln. Dort bilden sich dann kleine Knoten, die sogenannten Ohrtophi.

Schwere Schädigungen, die bereits vorhanden sind, lassen sich auch durch eine gute Gichtbehandlung oft nicht vollständig wieder herstellen. Ein schwer zerstörtes Gelenk regeneriert sich nur bedingt.

Daher ist es wichtig, rechtzeitig das weitere Fortschreiten der Gicht zu verhindern.



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