Risikofaktoren

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Mehrere Risikofaktoren können die Entstehung der Gicht begünstigen.

Häufig kommen mehrere Faktoren zusammen, und erst dann sammelt sich so viel Harnsäure im Blut, dass die Gicht ausbricht.

So kommt zur erblichen Veranlagung meistens noch eine purinreiche Ernährung, eine Vorliebe für alkoholische Getränke oder Übergewicht hinzu. Erst durch diese Kombination kommt es dann zur Gicht.

Folgende Faktoren können eine Gicht begünstigen:

·         Vorliebe für Fleischgerichte

·         Übergewicht

·         Strenge Diäten zum Abnehmen

·         Fastenkuren

·         Alkoholmissbrauch

·         Überanstrengung

·         Wassermangel

Vorliebe für Fleischgerichte

Wer eine Vorliebe für Fleischgerichte hat und außerdem eine Veranlagung zur Gicht, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit an Gicht erkranken, sofern er seine Vorliebe nachgeht.

Früher waren schwere Fleischmahlzeiten besonderen Feiertagen und dem Wochenende vorbehalten. Die meisten Menschen konnten sich gar nicht öfter Fleisch leisten. Bei dieser Ernährungsweise ist die Gefahr, an Gicht zu erkranken, relativ gering, selbst wenn man eine Veranlagung für Gicht hat.

Nur reiche Menschen konnten sich früher tägliche Fleischmahlzeiten leisten. Daher war Gicht damals auch vorwiegend eine Krankheit der Reichen.

Heutzutage gehört für viele Menschen Fleisch wie selbstverständlich zur täglichen Hauptmahlzeit. Die meisten Fleischliebhaber sind sich kaum bewusst, dass es auch anders sein könnte.

Schon die Vorstellung, nur ein oder zwei Mal in der Woche Fleisch zu essen, ist für sie nur schwer vorstellbar.

Diese Menschen sind nicht nur besonders häufig von Gicht betroffen, sie leiden oft auch besonders unter dem Fleischverzicht, den sie als unnatürlich empfinden.

Dabei ist es eigentlich eher unnatürlich, täglich Fleisch zu essen. Aber diese Betrachtungsweise gilt eher auf längere Sicht in die Vergangenheit und weniger für die letzten fünfzig Jahre.

Gichtpatienten, die gerne viel Fleisch essen, werden ihre Ernährungsweise deutlich umstellen müssen.

Doch wenn man erst einmal akzeptiert hat, dass eine Ernährungsumstellung notwendig ist, kann man feststellen, dass trotz Gicht ein regelmäßiger Fleischgenuss möglich ist. Man muss nur wissen, worauf man achten muss (siehe Seite 71).

Für Menschen, die nicht so oft Fleisch essen, bedeutet die Gicht keine wesentliche Umstellung in der Ernährungsweise. Wenn man ein paar Kleinigkeiten beachtet, kann man sich weitgehend gleich ernähren wie zuvor.

Übergewicht

Übergewicht ist vor allem deshalb ein Risiko, weil das Übergewicht von allen Organen des Körpers enorme Leistungen abverlangt, unter anderem auch von den Nieren. Die geschwächten Nieren können die Harnsäure nicht effektiv genug ausscheiden.

Häufig steht Übergewicht auch im Zusammenhang mit einer üppigen Ernährungsweise. Das ist ein zusätzlicher Faktor, der die Gicht begünstigt.

Übergewichtige Gichtpatienten sollten möglichst ihr Gewicht reduzieren.

Doch keinesfalls sollte das Abnehmen zu schnell erfolgen, denn strenge Diäten und sportliche Überanstrengung sind ihrerseits Risikofaktoren für die Entstehung der Gicht und Auslöser für akute Gichtanfälle.

Als Gichtpatient sollte man langsam und geduldig abnehmen (siehe Seite 82).

Strenge Diäten zum Abnehmen

Bei strengen Diäten oder beim Fasten werden viele Muskelzellen abgebaut. Dadurch werden Purine freigesetzt. Diese vermehrten Purine können eine Gichterkrankung auslösen.

Menschen mit einer familiären Vorbelastung für Gicht oder einer bereits bestehenden Hyperurikämie sollten daher auf keinen Fall strenge Diäten oder gar eine Nulldiät durchführen.

Eine schonende Ernährungsumstellung mit einem langsamen Abnehmverlauf ist hingegen problemlos möglich.

Fastenkuren

Eine Fastenkur ganz ohne Essen ist für Gichtpatienten noch gefährlicher als eine strenge Diät.

Auch beim Fasten werden in erster Linie Muskelzellen abgebaut. Die dadurch entstehende Harnsäure kann so viel sein, dass die Niere sie nicht mehr ausreichend ausscheiden kann.

So kann es geschehen, dass eine Fastenkur, die der Gesundheit dienen soll, mit einem Gichtanfall im Krankenhaus endet.

Alkoholmissbrauch

Alkohol hat die ungünstige Eigenschaft, dass er die Ausscheidung der Harnsäure bremst. Im Körper bildet sich durch den Alkoholgenuss Milchsäure. Die Ausscheidung der Milchsäure durch die Niere hat eine höhere Priorität gegenüber der Harnsäure. Daher wird kaum noch Harnsäure ausgeschieden, wenn man viel Alkohol getrunken hat.

Wenn man eine üppige Fleischmahlzeit isst und gleichzeitig reichlich Alkohol trinkt, dann kommen sowohl zu viel Harnsäure als auch zu schlechte Ausscheidung zusammen.

Daher beginnen akute Gichtanfälle häufig nach festlichen Gelagen, bei denen es viel Fleisch und jede Menge Alkohol gab.

Bier hat gegenüber anderen alkoholischen Getränken einen weiteren Nachteil, denn es enthält durch die Hefe auch einige Purine.

Als Gichtpatient oder wenn man eine Veranlagung zur Gicht hat, sollte man also nur in bescheidenen Mengen Alkohol trinken.

Überanstrengung

Viele Gichtpatienten wissen nicht, dass auch Überanstrengung zu einem Gichtanfall führen kann.

Bei körperlicher Überanstrengung, beispielsweise durch zu ambitionierten, schnellen Sport, wechselt der Körper von der aeroben Energiegewinnung zur anaeroben Energiegewinnung.

Dadurch entsteht Milchsäure im Körper. Diese Milchsäure will ausgeschieden werden. Die Nieren scheiden Milchsäure bevorzugt aus, die Harnsäure muss warten.

Dadurch kann sich so viel Harnsäure im Blut ansammeln, dass es bei einer gewissen Vorbelastung zu einem Gichtanfall kommen kann.

Diese Problematik gilt jedoch nur für eine massive Überanstrengung, nicht für körperliche Bewegung im vernünftigen Umfang.

Behutsamer Sport ist sehr hilfreich bei der Gichtbehandlung und Vorbeugung. Denn er wirkt gegen Übergewicht und stärkt den gesamten Körper und Stoffwechsel. Behutsamer Sport kann durchaus so weit gehen, dass man kräftig schwitzt. Man sollte sich jedoch nicht bis kurz vor dem Zusammenbruch verausgaben.

Wassermangel

Um ausreichend Harn ausscheiden zu können, braucht der Körper ausreichende Mengen Wasser.

Wenn man zu wenig trinkt, dann produzieren die Nieren auch nur wenig Harn. Dieser Harn ist dann zwar hoch konzentriert, was man an der dunkelgelben Farbe sehen kann.

Aber dennoch gelingt es dem Körper nicht optimal, die überschüssige Harnsäure auszuscheiden.

Man sollte also unbedingt genug trinken, wenn man Gicht hat oder dazu neigt.

Täglich braucht der Körper zwei bis drei Liter Flüssigkeit, bei Hitze oder körperlicher Anstrengung noch deutlich mehr.

Am besten deckt man einen großen Teil des Flüssigkeitsbedarfs durch Wasser. Dazu eignen sich wahlweise Mineralwasser oder Leitungswasser. Auch viele Kräutertees sind gut geeignet, um den Flüssigkeitsbedarf zu decken.

Eine gewisse Menge Kaffee oder Schwarztee ist auch in Ordnung, auch wenn man das noch vor einigen Jahren anders gesehen hat. Man hat inzwischen herausgefunden, dass Kaffee und Tee bei Menschen, die sie gewohnt sind, nicht mehr Flüssigkeit ausscheiden als man mit ihnen trinkt. Sie sind also keine Flüssigkeitsräuber für Menschen, die regelmäßig Kaffee oder Tee trinken. Allerdings sollte man nicht ausschließlich Kaffee oder Tee trinken, sondern zusätzlich Wasser.



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